Hintergrund: Psychische Störungen, beispielsweise affektive Störungen, finden ihren Ausdruck auch in körper- und bewegungsbezogenen Symptomen (Michalak et al., 2009). Die internationalen Klassifikationssysteme psychischer Störungen beispielsweise das ICD-10 der WHO (Dilling et al, 2011) definieren für zahlreiche Störungen körper- und bewegungsbezogene Symptome. Körper- und bewegungsorientierte Therapiekonzepte gewinnen immer stärkere Beachtung bei psychotherapeutisch-psychosomatischen Komplextherapien (Heimbeck et al., 2011). Dabei bleiben Diagnostik von Bewegungsverhalten häufig nicht objektivierbar  und therapeutische Allokation und Vorgehen häufig intuitiv und eklektisch, obwohl bewegungsanalytische Konzepte existieren, beispielsweise die kategoriale Bewegungsanalyse nach Laban.
Methoden: Eine Stichprobe von n=52 Patienten der Allgemeinen Tagesklinik der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Dresden führten die standardisierten Bewegungsaufgaben der „Bewegungsanalyse Skalen und Test“ BAST (Lausberg, 1998) orientiert an der Bewegungsanalyse nach Laban durch. Davon wiederholten n=39 die Untersuchung zu Therapieende, im Durchschnitt 11 Wochen später. Zertifizierte Rater bewerteten das Bewegungsverhalten auf den BAST-Skalen.
Ausblick: Ziel statistischer Analysen ist es zum einen, Zusammenhänge von Bewegungsverhalten und psychischen Störungen bzw. Variablen zu explorieren und typische bewegungsbezogene Merkmale bei bestimmten Störungsbildern zu identifizieren. Weiterhin sollen Verläufe bewegungsbezogener Merkmale innerhalb einer psychotherapeutisch-psychosomatischen Komplexbehandlung untersucht werden. So sollen die Nutzbarkeit von Merkmalen des Bewegungsverhaltens als mögliche sekundäre Erfolgsfaktoren einer psychotherapeutisch-psychosomatischen Komplextherapie untersucht und weiterhin bewegungstherapeutische Interventionen der regulären Therapie im Ex-Post-Facto-Sinne evaluiert werden, um später gezielte Allokationen bewegungstherapeutischer Interventionen zu ermöglichen.

Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M. H. & Schulte-Markwort, E. (2011). Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. Bern: Huber.

Heimbeck, A. & Hölter G. (2012). Bewegungstherapie und Depression – Evaluationsstudie zu einer unspezifischen und einer störungsorientierten bewegungstherapeutischen Förderung im klinischen Kontext. Psychother Psych Med, 61: 200-207.

Lausberg, H. (1998). Bewegungsdiagnosetest mit Bewertungsskalen für Diagnostik und Therapieevaluation in der Tanztherapie. Zeitschrift für Tanztherapie, 7: 35-42.

Michalak, F., Troje, N. F., Fischer, J., Vollmer, P., Heidenreich, T. & Schulte, D. (2009). Embodiment of Sadness and Depression - Gait Patterns Associated With Dysphoric Mood. Psychosomatic Medicine. 71:580–587